Ein Luftreiniger senkt Formaldehyd in der Raumluft nur, wenn er sehr viel Aktivkohle trägt, die für dieses Gas geeignet ist. Der HEPA-Filter, auf den die meisten Geräte setzen, hält Partikel zurück und lässt das Gas durch. Wirksamer ist fast immer, die Quelle zu finden und regelmäßig zu lüften. Das Umweltbundesamt nennt für Formaldehyd einen Richtwert von 100 Mikrogramm je Kubikmeter Luft.
Woher Formaldehyd in der Wohnung kommt
Formaldehyd ist ein farbloses, stechend riechendes Gas. In Wohnungen stammt es vor allem aus Holzwerkstoffen, in denen es als Bestandteil von Leimen steckt. Das Umweltbundesamt zu Formaldehyd zählt diese Hauptquellen auf:
- Holzwerkstoffe wie Spanplatten, zum Beispiel in Möbeln und im Innenausbau
- Bodenbeläge
- Möbel
- bestimmte Dämmstoffe, etwa Harnstoff-Formaldehyd-Ortschäume
- Tabakrauch, der Formaldehyd in vergleichsweise großer Menge enthält
Selbst brennende Kerzen können laut UBA eine Quelle sein. Auch in Desinfektionsmitteln, Kosmetik oder Textilien kann der Stoff stecken. Wer raucht, holt sich das Gas also auch ohne neue Möbel in die Wohnung. Wie ihr Rauchgeruch und die Stoffe dahinter loswerdet, steht im Ratgeber Rauchgeruch entfernen.
Spanplatten bestehen aus Holzspänen, die mit einem Bindemittel verpresst sind. In solchen Klebstoffen wurde laut UBA Formaldehyd eingesetzt.
Neu ist eine EU-weite Regel. Bis Juli 2026 schrieb in Deutschland die Chemikalien-Verbotsverordnung vor, wie Holzwerkstoffe geprüft werden. Seit dem 06. August 2026 gilt nach Angaben des UBA eine EU-Formaldehydverordnung mit Grenzwerten für die Abgabe unter festgelegten Prüfbedingungen. Für Möbel und Gegenstände auf Holzbasis liegt der Grenzwert bei 0,062 mg/m³, für andere Artikel bei 0,080 mg/m³. Die Regeln betreffen das Inverkehrbringen, also neue Ware. Für Möbel, die schon in eurer Wohnung stehen, ändert sich dadurch nichts.
Richtwert 100 µg/m³: was das für eure Gesundheit heißt
Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte hat 2016 einen Richtwert von 100 µg/m³ festgelegt. Der Wert soll laut UBA auch kurzzeitig, über 30 Minuten, nicht überschritten werden und entspricht der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. Er dient laut UBA der gesundheitlichen Beurteilung der Innenraumluft und ist etwas anderes als die Emissionsgrenzwerte der EU für neue Möbel.
Die EU stuft Formaldehyd seit 2014 als wahrscheinlich krebserzeugend ein. Das UBA erklärt dazu, dass Tumoren in Tierversuchen erst bei Konzentrationen auftraten, die zuvor die Schleimhaut geschädigt hatten. Unterhalb einer bestimmten Konzentration sind diese Wirkungen deshalb im Allgemeinen nicht zu erwarten. Höhere Werte in der Raumluft können die Augen reizen.
Für Asthma sieht das UBA auf Basis der bisherigen Studien keinen belastbaren Zusammenhang mit eingeatmetem Formaldehyd. Wer Asthma hat und Beschwerden in einem neu eingerichteten Raum bemerkt, sollte das trotzdem mit dem Arzt besprechen. Was ein Luftreiniger bei Asthma leisten kann und was nicht, erklärt der Ratgeber Luftreiniger und Asthma.
Was schafft ein Luftreiniger gegen Formaldehyd?
Ein HEPA-Filter hilft hier nicht. Er fängt Partikel wie Staub und Pollen, Gase strömen hindurch. Gegen Formaldehyd braucht es Aktivkohle oder ein anderes Filtermaterial, das Gase bindet. Was HEPA kann, steht im Ratgeber Luftreiniger mit HEPA-Filter.
Auch Aktivkohle hat bei Formaldehyd Grenzen. Eine Studie zur Formaldehyd-Entfernung beschreibt Aktivkohle als wenig effizient für polare Stoffe wie Formaldehyd. Deshalb wird an chemisch behandelten Kohlen geforscht und anderen Materialien, die das Gas besser festhalten. Eine dünne Kohlematte im Kombifilter richtet gegen Formaldehyd entsprechend wenig aus.
Die US-Umweltbehörde EPA schreibt in ihrem Ratgeber zu Luftreinigern, Aktivkohle könne wirksam sein, wenn viel Material im Filter steckt. Ein verbreitetes Bewertungssystem für die Gasleistung tragbarer Luftreiniger gibt es laut EPA nicht, die bekannte CADR gilt nur für Partikel. Die Stiftung Warentest prüft im Luftreiniger-Test die Gasleistung eigens. Dafür bringt sie Formaldehyd und Toluol in eine Prüfkammer von etwa 30 Kubikmetern und misst, wie viel die Geräte in 20 Minuten auf höchster Stufe herausholen.
Beim Kauf achtet ihr deshalb auf diese Punkte:
| Merkmal | Worauf ihr achtet |
|---|---|
| Kohlemenge | Angabe in Gramm oder Kilogramm, je mehr, desto besser, nicht nur „mit Aktivkohle” |
| Filteraufbau | eigener Kohlefilter statt dünner Schicht im Kombifilter |
| Herstellerangabe | Messwert für Formaldehyd mit Prüfnorm, nicht nur „entfernt Schadstoffe” |
| Wechselintervall | Kohle ist irgendwann gesättigt, Filter regelmäßig tauschen |
| Ozon | keine Geräte, die Gase mit Ozon „zersetzen” |
Welche Geräte viel Kohle tragen und wie oft sie gewechselt werden muss, zeigt der Ratgeber Luftreiniger mit Aktivkohlefilter. Gerüche und andere Gase im Haushalt behandelt der Beitrag Gerüche und Luftverschmutzung.
Quelle finden, lüften, besser einkaufen
Das UBA empfiehlt, beim Kauf auf Produkte mit dem Blauen Engel zu achten und bei anderen Produkten im Zweifel beim Hersteller nach Belegen für die Unbedenklichkeit zu fragen. Dazu kommen regelmäßiges Lüften und feuchtes Wischen von Oberflächen, die laut UBA auch die Belastung mit Formaldehyd senken. Die EPA nennt Quelle beseitigen und Lüften ebenfalls als wirksamste Wege zu besserer Raumluft, Filter seien nur eine Ergänzung.
Ob die Raumluft wirklich belastet ist, zeigt nur eine Messung. Ein CO2-Messgerät hilft dabei nicht, es misst nur den Lüftungsbedarf, wie der Ratgeber zum CO2-Messgerät erklärt. Einfache Formaldehyd-Messgeräte für zu Hause geben eine grobe Richtung. Wer es genau wissen will, lässt die Luft im Labor untersuchen, die Möglichkeiten dazu stellt der Ratgeber Raumluft testen und verbessern vor. Treten Beschwerden vor allem in einem bestimmten Gebäude auf, etwa im Büro, lohnt der Blick auf das Sick-Building-Syndrom. Weitere Ratgeber zu Schadstoffen, Gerüchen und Lüften sammelt die Übersicht Blogbeiträge für bessere Luft.
Eine Messung lohnt vor allem, wenn ihr einen konkreten Verdacht habt, etwa einen neuen Schrank, der auch nach Wochen noch stechend riecht, oder Beschwerden, die nur in einem Raum auftreten. Notiert euch vorher, welche Möbel und Materialien neu sind und seit wann der Geruch besteht. Diese Angaben helfen jedem Prüflabor und auch dem Händler, falls ihr ein Möbelstück reklamieren wollt.
Neubau und neue Möbel: diese Schritte helfen
Nach einem Umzug in einen Neubau oder dem Aufbau mehrerer neuer Möbel kommt in kurzer Zeit viel neues Material in die Wohnung. In den ersten Wochen lohnen sich deshalb ein paar Handgriffe mehr.
- Vor dem Kauf auf Blauen Engel oder Herstellerangaben zur Emission achten, besonders bei Kinder- und Schlafzimmermöbeln.
- Verpackung draußen oder im Keller entfernen und große Teile, wenn möglich, einige Tage in einem gut gelüfteten Nebenraum stehen lassen.
- Mehrmals täglich stoßlüften, in den ersten Wochen häufiger als sonst, Fenster weit auf statt gekippt.
- Oberflächen feucht wischen, wie es das UBA empfiehlt.
- Nicht in neu eingerichteten Räumen rauchen, Tabakrauch ist selbst eine Formaldehyd-Quelle.
- Luftreiniger nur mit großem Aktivkohlefilter ergänzend laufen lassen, nicht als Ersatz fürs Lüften. Ein passendes Gerät für euren Raum findet der Luftreiniger-Finder.
- Bei anhaltendem starkem Geruch den Händler ansprechen und, wenn nötig, eine Messung beauftragen.