Das Sick-Building-Syndrom beschreibt unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und Augenreizungen, die mit dem Aufenthalt in einem bestimmten Gebäude zusammenhängen und nach dem Verlassen nachlassen. Die Ursachen sind meist vielfältig: schlechte Lüftung, Schadstoffe aus Möbeln und Baustoffen, Feuchte und individuelle Faktoren. Hilfreich sind besseres Lüften, das Reduzieren von Schadstoffquellen und das Messen der Raumluft. Ein Luftreiniger kann unterstützen, heilt das Syndrom aber nicht.
Wer sich im Büro ständig müde und abgeschlagen fühlt, sich daheim aber wieder erholt, könnte das Sick-Building-Syndrom haben. Dieser Ratgeber erklärt, was dahintersteckt, welche Symptome typisch sind und welche Schritte die Raumluft messbar verbessern.
Was ist das Sick-Building-Syndrom?
Das Sick-Building-Syndrom (SBS), auf Deutsch auch Gebäudekrankheit, beschreibt ein Bündel unspezifischer Beschwerden bei Menschen, die sich länger in einem bestimmten Gebäude aufhalten. Charakteristisch ist: Die Symptome treten im Gebäude auf und lassen nach, sobald die Betroffenen es verlassen.
Wichtig ist die Abgrenzung zur sogenannten Building Related Illness (BRI). Bei dieser lässt sich eine konkrete, messbare Ursache nachweisen, etwa Legionellen in einer Klimaanlage. Beim Sick-Building-Syndrom dagegen bleibt die Ursache laut Umweltbundesamt oft unklar.
Typische Symptome
Die Beschwerden sind unspezifisch und betreffen meist mehrere Personen im selben Gebäude. Häufig genannt werden:
- Kopfschmerzen und Müdigkeit
- Konzentrationsschwäche und Reizbarkeit
- Gereizte, brennende oder tränende Augen
- Trockene oder gereizte Schleimhäute in Nase und Hals
- Reizhusten und Hautreizungen
Diese Symptome können einzeln oder kombiniert auftreten. Verschwinden sie regelmäßig nach Feierabend oder am Wochenende, ist das ein deutlicher Hinweis auf einen Zusammenhang mit dem Gebäude.
Ursachen: meist mehrere Faktoren
Eine einzelne Ursache gibt es beim Sick-Building-Syndrom selten. Das Umweltbundesamt hat das Phänomen in der groß angelegten ProKlimA-Studie untersucht, bei der rund 5.000 Büroangestellte befragt und gemessen wurden. Das Ergebnis war aufschlussreich: Räume mit Klimaanlage waren nicht stärker mit Schadstoffen belastet als andere, oft sogar weniger. Trotzdem traten dort viele SBS-Fälle auf.
Schadstoffe wie VOC und SVOC aus Möbeln und Baustoffen oder Mikroorganismen spielten laut Studie nur selten die Hauptrolle. Häufig waren individuelle Faktoren, die Art der Tätigkeit und die Nutzerfreundlichkeit des Arbeitsplatzes aussagekräftiger als das Gebäude selbst. Das Sick-Building-Syndrom ist also multifaktoriell. Typische Mitverursacher sind:
- Unzureichende Lüftung und hohe CO2-Werte
- Trockene Luft unter 40 Prozent relativer Feuchte
- VOC und Formaldehyd aus Möbeln, Teppichen, Farben
- Feuchte und Schimmel in einzelnen Bereichen
- Stress, Ergonomie und persönliche Empfindlichkeit
Wie ihr Schadstoffe und Gerüche in der Raumluft einordnet, lest ihr im Ratgeber zu Gerüchen und Luftverschmutzungen.
Was gegen das Sick-Building-Syndrom hilft
Weil die Ursachen vielfältig sind, hilft kein einzelnes Mittel, sondern eine Kombination. Diese Schritte verbessern die Lage messbar:
- Regelmäßig stoßlüften. Frische Luft senkt CO2 und führt Schadstoffe ab. Ein CO2-Messgerät zeigt, wann es nötig ist.
- Schadstoffquellen reduzieren. Emissionsarme Möbel, Farben und Reinigungsmittel verringern die VOC-Belastung.
- Feuchte steuern. Haltet 40 bis 60 Prozent relative Feuchte gegen trockene Schleimhäute und Schimmel.
- Raumluft messen. Ein Kombigerät deckt auf, ob CO2, Feinstaub oder VOC erhöht sind, mehr dazu im Ratgeber zum Raumluft testen und verbessern.
- Luftreiniger ergänzend einsetzen. Im Büro kann ein Gerät mit HEPA- und Aktivkohlefilter Feinstaub und VOC senken. Es ersetzt aber weder Lüften noch das Beseitigen der Ursachen.
Lassen die Beschwerden trotz dieser Schritte nicht nach, gehört die Gebäude- und Arbeitsplatzsituation fachlich geklärt. Bei anhaltenden gesundheitlichen Problemen ist ärztlicher Rat sinnvoll.
Besonders betroffen: Büros und Schulen
Das Sick-Building-Syndrom tritt gehäuft in Gebäuden mit vielen Menschen und mechanischer Lüftung auf, also in Büros, Schulen und Verwaltungen. Mehrere Personen teilen sich dort über Stunden denselben Raum, oft mit fest eingestellten Klimaanlagen und Fenstern, die sich nicht öffnen lassen. Steigt der CO2-Wert und sammeln sich Ausdünstungen aus Möbeln und Technik, häufen sich die Beschwerden.
Für Arbeitgeber lohnt sich deshalb ein Blick auf die Raumluft. Ein einfaches CO2-Messgerät zeigt, ob ausreichend gelüftet wird, und schafft Bewusstsein im Team. Regelmäßige Lüftungspausen, das Reduzieren von Emissionsquellen und eine gewartete Klimaanlage senken das Risiko spürbar. Wo sich Fenster öffnen lassen, ist Stoßlüften die einfachste und wirksamste Maßnahme.
Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist
Halten Kopfschmerzen, Reizungen oder Erschöpfung über Wochen an oder verschlimmern sie sich, solltet ihr ärztlichen Rat einholen. Wichtig ist, andere Ursachen auszuschließen, bevor alles dem Gebäude zugeschrieben wird. Schildert dabei, wann und wo die Beschwerden auftreten und ob sie außerhalb des Gebäudes nachlassen. Dieser Zusammenhang ist der wichtigste Hinweis und hilft, gezielt nach Auslösern zu suchen.
Fazit
Das Sick-Building-Syndrom ist real, aber selten auf eine Ursache zurückzuführen. Lüftung, Schadstoffe, Feuchte und individuelle Faktoren wirken zusammen. Wer konsequent lüftet, Quellen reduziert und die Raumluft misst, verbessert die Situation am wirksamsten. Ein Luftreiniger ist dabei eine sinnvolle Ergänzung, aber kein Heilmittel.