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Luftreiniger gegen Corona: Was sie können & was nicht

In den Medien gibt es viele Diskussionen um den Einsatz von Luftreinigern gegen Corona. Denn gerade in den Innenräumen steigt die Ansteckungsgefahr und in der kalten Jahreszeit fällt ständiges Lüften schwer. Aber wie wirksam sind Luftfilter gegen Corona-Viren?

Wir klären auf: Welche Modelle sind wirksam, was gibt es zu beachten, welche Filterart sollte gewählt werden, und wie zuverlässig ist der Schutz durch Luftreiniger?

Helfen Luftreiniger überhaupt gegen Corona?

Ja sie helfen definitiv die Ausbreitung von Corona-Viren einzudämmen, dies wurde wissenschaftlich bestätigt:

Belegt wurde dies in einer Studie der Universität München (siehe hier). Innerhalb von 6 Minuten konnte die Viruslast halbiert werden.

Auch Aussagen von bekannten Epidologen, wie SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, Zeitungsberichte und Forderungen diverser Parteien und Verbände stützen dies. Luftfilter bieten keine 100% Sicherheit, aber mindern die Gefahr deutlich. Gerade für den Winter ist das eine beruhigende Nachricht – denn lüften ist in nicht mehr so leicht möglich. Und wir werden in geschlossenen Räumen aufeinander treffen: Im Büro, im Restaurant, in der Schule, im Wartezimmer oder dem Fitnessstudio.

Wichtig zu betonen ist, dass sich die Forderungen nach Luftreiniger in Schulen und die oben genannten Testergebnisse auf leistungsstarke RLT-Anlagen (raumlufttechnische Anlage) beziehen. Studien zu Luftreinigern für Privatpersonen liegen aktuell nicht vor.

Geschlossene Räume & Corona-Verbreitung

Der Hauptübertragungsweg des Corona-Virus ist laut dem Robert Koch Institut die Luft (siehe RKI). Und vor allem geschlossene Räume sind für die Übertragung ein Problem. Da die Konzentration von Viren in der Atemluft und dann auch in der Raumluft deutlich höher ist als im Freien, damit auch die Ansteckungsgefahr.

Der SARS-CoV-2-Erreger ist also in Tröpfchen der Atemluft von Infizierten Personen enthalten. Diese Tröpfchen werden in der Größe unterschieden:

  • Größeren Tröpfchen (größer als 5 µm): Diese sind schwerer und sinken daher schneller zu Boden (ca. 1-2 Meter Umkreis)
  • Aerosole (kleiner als 5 µm): Das sind kleine Tröpfchen und können deutlich weiter fliegen und sich im Raum verbreiten. Insbesondere wenn gesungen, geschrien, genießt oder gehustet wird, kommt es zu einem hohen Ausstoß an Aerosolen.

Viele Luftfilter für Privatanwender schaffen rund 0,3 µm, also eine ausreichende Größe um viele Atemtröpfchen und Aerosole aus der Luft zu filtern. Aber vermutlich nicht alle, denn kleinste Aerosole können eine Größe von 0,1 bis 0,3 μm aufweisen. Aber sie helfen vermutlich die Viruslast zu vermindern.

Luftfeuchtigkeit spielt wichtige Rolle!

Es gibt aber noch einen wichtigen Punkt bei der Ausbreitung des Corona Virus in Innenräumen: Die Luftfeuchtigkeit! Denn je höher die Luftfeuchtigkeit ist, desto größer sind die ausgeatmeten Partikel bzw. Aerosole – so die Aussage bei einer Auswertung von zehn Studien (Siehe Tagesschau.de).

Und damit einhergehend sinkt bei hoher Luftfeuchtigkeit die Gefahr der Ansteckung durch Aerosole. Da größere Partikel ausgeatmet werden, die schwerer sind und damit auch schneller zu Boden sinken.

Das ist eine wichtige Information, die für den Winter relevant ist. Denn durch den Einsatz von Luftwäschern kann die Luftfeuchtigkeit leicht angehoben werden. Eine optimale Luftfeuchtigkeit liegt bei 40% bis 60%. Das ist nicht nur gut um die Ausbreitung des Virus zu verringern, sondern auch für die Atemwege generell.

Welchen Filter müssen die Luftreiniger haben?

Grundsätzlich gibt der Filter darüber Auskunft, nach welcher Methode/ Technologie er arbeitet und welche Partikelgrößen er filtern kann.

Experten raten zu einem Hepa Filter (H13 oder H14).

Es gibt sogenannte Schwebstoff-Filterklassen, diese sind nach EN 1822-1:2009 genormt. Sie unterscheiden sich in ihrem Abscheidegrad bezogen auf bestimmte Partikelgrößen, also wie wirksam der Filter ist. Leider geben nicht alle Hersteller klare Auskunft darüber, welcher Filtertyp verbaut ist, hier lohnt sich Nachfragen.

Andere Filter (EPA, Luftwäscher, Aktivkohle) erreichen nicht unbedingt dasselbe, erhoffte Ergebnis. Allerdings gibt es auch Luftreiniger mit einem Kombifilter, die mehrere Filterarten kombinieren.

Welche Luftreiniger sind geeignet?

Bei der Wahl der Luftreiniger schwingt immer noch die Unsicherheit mit, wie viel Modelle für Privatpersonen eigentlich helfen. Einen Beitrag leisten sie vermutlich schon. Daher lautet unsere Empfehlung: Vernachlässigen Sie keine Schutzmaßnahmen (Hygiene, Mund-Nasen Bedeckung, Abstand halten)! Wenn Sie sich zusätzlich einen Luftreiniger oder Luftwäscher gegen Corona zulegen möchten, würden wir diese Prüfpunkte empfehlen:

  • Effektiver Filter: Hepa Filter (13, H14) oder ein Kombi-Filter, der auch einen Hepa-Spezialfilter verbaut hat (dieser kombiniert mehrere Filtervarianten bspw. auch Aktivkohlefilter oder Ionisator).
  • Herstellerinformationen: Achten Sie auf die Angabe zur Partikelgröße, die der Filter leisten kann. Diese Informationen bieten die meisten Hersteller in den Produktangaben.
  • Hoher Luftdurchsatz: Achten Sie auf eine hohe Clean Air Delivery Rate (CADR). Diese gibt an, wie viel Luft pro Stunde gereinigt werden kann. Nur wenn der Luftreiniger der Raumgröße gemäß ausgesucht wird, kann er diesen auch „sauber“ halten bzw. in einer raschen Zeit von einer hohen Corona-Virenlast befreien.

Im Folgenden finden Sie Luftreiniger, die gegen andere Allergien und Viren gut geeignet sind.

Wie sollte Luftreiniger eingesetzt werden?

In der Studie der Universität München wird korrekterweise auch zum Standort des Luftreinigers Stellung bezogen.

  • Er sollte mittig im Raum stehen.
  • Er sollte frei stehen, damit das Ansaugen der Luft nicht behindert wird.
  • Er sollte je nach Schnitt des Raumes eine Luftzirkulation zulassen, sodass die Luft walzenförmig zum Luftreiniger strömen kann.
  • Auch Wärmequellen (Heizungen) behindern ein optimales Strömungsverhalten der Luft.

Wie lange bleiben Corona-Viren infektiös?

Wie lange die COVID-19-Viren überlegen können hängt stark von der entsprechenden Umgebung ab: Temperatur, Oberfläche, Feuchtigkeit, Virenbelastung. Ergebnisse aus Studien (siehe Quelle) zeigen, dass die Viren etwa so lange überleben können:

  • 3h als Aerosol in der Luft
  • 4h auf Kupfer
  • 24h auf Karton
  • 2-3 Tage auf Edelstahl und Plastik

Bei niedrigen Temperaturen und feuchter Oberfläche können die Viren allerdings erheblich länger infektiös bleiben. So deutet eine Studie darauf hin, dass Viren auf der Oberfläche von Fleisch bei niedrigen Temperaturen auch noch nach mehreren Wochen infektiös blieben (allerdings ist das noch nicht bestätigt und zudem ist unklar ob bei einem Verzehr eine Infektion ausgelöst werden kann).

Achtung vor Virenschleudern

Sollte der Luftreiniger gegen Corona-Viren eingesetzt werden und diese auffangen, ist das hervorragend. Allerdings macht ihn das auch zu einer potenziellen Virenschleuder, der die Viren im schlimmsten Fall noch verteilen könnte.

  • Daher müssen unbedingt Maßnahmen ergriffen werden dies zu vermeiden. Die Universität München empfiehlt hierbei, dass der Filter einmal täglich für 30 Minuten auf etwa 100°C erhitzt wird, damit die Viren, Pilze, Bakterien etc. abgetötet werden.
  • Zudem muss der Filter auch regelmäßig getauscht werden, damit er seine Filterwirkung beibehält. Hier sollten Sie zur Sicherheit unbedingt Handschuhe und eine Atemmaske verwenden.
  • Eine weitere Möglichkeit scheint UV-C-Licht zu sein, also ultravioletter Strahlung. Grundsätzlich kann diese Strahlung Viren abtöten, ob das allerdings auch auf das Corona-Virus zutrifft ist laut Umweltbundesamt unklar.

Der Filterwechsel sollte daher von Experten vorgenommen werden oder man sollte sich zumindest Tipps zum Vorgehen von diesen einholen.

Fazit: Brauchen wir alle Luftreiniger?

Nein, nicht unbedingt. Denn die Gefahr sich zuhause anzustecken wird nicht durch Luftreiniger gebannt. Denn dafür hat man zu viel Kontakt mit seinen Mitbewohnern, es gibt Räume ohne Luftreiniger etc.

Zudem bezieht sich die Studie der Universität München auf RLT-Anlage (leistungsstarke Luftreiniger). Diese helfen laut den Ergebnissen gegen das Corona Virus. Wie sehr die Ergebnisse auf kleinere Geräte für den Endverbraucher übertragbar sind, ist nicht wissenschaftlich belegt. Es gibt aber viele Indizien, dass auch diese helfen.

Allerdings können Geschäfte, Einzelhandel, Arztpraxen etc. von dieser Information profitieren. Hier kann das Corona Virus mit einem hochwertigen Luftreiniger/ RLT-Anlagen bekämpft werden!

FAQ

✅ Können Luftreingier bei Corona helfen?

Ja sie können helfen. In einer wissenschaftlichen Studie der Universität München konnte beim Einsatz von Luftreinigern und eine Reduzierung der Virenlast nachgewiesen werden.

Die Effektivität ist allerdings vom Gerät, dem Standort und vielen anderen Faktoren abhängig.

Lesen Sie Details dazu in unserem Beitrag.

✅ Kann ein Luftwäscher gegen Corona-Viren helfen?

Luftwäscher haben im Vergleich zu Luftreinigern eine andere Arbeitsweise. Sie wälzen die verunreinigte Luft durch ein Wasserbecken und reinigen sie dadurch.

Vorteil: Das führt zu einer höheren Luftfeuchtigkeit, was sehr gut für die Atemwege ist und auch die Verbreitung von Aerosolen einschränkt.
Nachteil: Sie arbeiten deutlich langsamer als ein Luftreiniger und sie schaffen es zumeist nicht so kleine Partikel aus der Luft zu filtern.

Daher sollte ein Luftwäscher nicht alleine eingesetzt werden. Wenn schon kann er zusätzlich helfen oder es sollte ein Kombimodell angeschafft werden, das einen Luftfilter und Luftwäscher kombiniert.

✅ Hilft jeder Luftreiniger gleichermaßen?

Das ist noch nicht genau untersucht. In den Studien kommen sehr leistungsstarke Geräte zum Einsatz. Ihr Funktionsprinzip ist dem günstiger Modelle sehr ähnlich.

Allerdings werden kleine Geräte für den Endverbraucher sicherlich nicht im gleichen Maße helfen. Das sie dennoch helfen ist wahrscheinlich, aber noch nicht wissenschaftlich belegt.

Es gibt ein paar Punkte, die wir bei der Auswahl eines Geräts empfehlen.

✅ Bin ich mit einem Luftreiniger gegen Corona sicher?

Nein, ein Luftreiniger alleine reicht nicht aus. Er kann nur die Corona-Virenbelastung in Innenräumen reduzieren. Das ist gerade im Winter sehr wichtig und eine gute Nachricht.

Wenn jedoch eine Person mit Corona-Infektion in unmittelbarer Umgebung nießt, atmen wir die Partikel ein. Hier kann kein Luftreiniger helfen.

Abstand halten, Hygiene, Mund-Nasenmasken sind obligatorisch. Ein Luftreingier kann lediglich die Gefahr weiter senken, sich durch Lufttröpfchen und Aerosole anzustecken.

✅ Welche Hersteller haben Luftreiniger gegen Corona?

Es gibt aktuell keinen Hersteller, der explizit Luftreiniger gegen Corona auf den Markt gebracht hat. Zudem gilt es hier in Hersteller für den privaten und für den gewerblichen Gebrauch zu trennen.

Unter den Luftreiniger-Herstellern gibt es viele, die Modelle gegen Bakterien und Viren auf dem Markt haben, also prinzipiell auch gegen Corona. Dazu gehören: Venta, Philipps, Dyson oder Blueair.

Industrielle Anlagen, auch als RLT-Anlage bezeichnet, sind mögliche Lieferanten für Schulen, Industrie, Unternehmen etc. Diese Unternehmen sind für Privatverbraucher eher unbekannt.

Stand: 20.10.2020: Wir erweitern unseren Beitrag laufend, sobald es neue Studien etc. gibt. Bitte bedenken Sie, dass sie Informationslage und der Kenntnisstand zu Corona noch recht dünn sind und sich laufend ändern. Sollten Sie Feedback/ Verbesserungsvorschläge haben, kontaktieren Sie uns bitte.


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